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Weil so gut wie jeder Test zu Criminal Intent, dem neuesten Adventure von bhv/Xider, mit dieser pathetischen Erklärung beginnt, fange ich auch einfach damit mal an: „In New York Citys Kampf gegen das Verbrechen werden die schlimmsten Straftäter von den Detectives der Major Case Squad, der Abteilung für Kapitalverbrechen, gejagt. Dies sind ihre Geschichten.“
Mit dieser Einleitung beginnt jede Folge der von VOX ausgestrahlten US-amerikanischen Krimiserie Criminal Intent – Verbrechen im Visier mit Detective Robert Goren in der Hauptrolle. Das dazugehörige Adventure verzichtet auf den zweiten Teil des Titels, will sonst aber die Serie atmosphärisch detailgetreu in ein klassisches Point&Click-Adventure umsetzen.
Das Adventure ist ab sofort im Handel für 29,99 € erhältlich, eine deutsche Demo gibt es leider nicht.
Fahrt zum Tatort
Unser Detective hat am Anfang des Spieles die Wahl zwischen drei Fällen, später kommt noch ein vierter hinzu, der mit den drei vorherigen zusammenhängt und diese in Verbindung bringt. Fall Nummer 1 handelt von dem ermordeten Staatsanwalt Martin Castillo, der von einem Angler aus dem New Yorker East River gefischt wurde, Opfer Nummer 2 ist Lisa Stokes, deren Tod als Selbstmord verschleiert wurde, und Fall Nummer 3 ist der Vizepräsident einer Bank, der in seinem Haus zu Tode geprügelt wurde.
Man kann an Detective Gorens´ Schreibtisch während des Spiels beliebig zwischen den Fällen wechseln, Inventar und Karte ändern sich automatisch mit, sie werden für jeden Fall getrennt verwaltet. Im Einstellungs-Menü lässt sich der Schwierigkeitsgrad wählen, der aber nur geringe Änderungen, z.B. bei einigen Minispielchen bewirkt.
Spurensuche
Gesteuert wird klassisch mit der Maus. Mit der rechten Maustaste wird der PDA aufgerufen, der als Universalgerät für Inventar, Karte, Optionsmenü und Telefon dient. Mit Links wählen wir alles aus, was in der Gegend herumliegt und -steht mit mehreren Möglichkeiten, je nach Objekt: Allgemein betätigt sich Goren hauptsächlich als Sammler, er steckt alles ein, was nicht niet- und nagelfest ist, der Rest wird per Foto festgehalten. Alle Objekte sollte man an die Kollegen zur Untersuchung schicken, was sowohl direkt beim Einsammeln als auch später im Inventar geht. Leider fehlt hier eine visuelle “Auftragsbestätigung“.
Die verschiedenen Verdächtigen und Zeugen werden über ein besonderes Dialogsystem befragt. Der Spieler kann auswählen, mit welchen Emotionen Detective Goren seine Fragen stellen soll. So kann man etwa streitlustig mit der Vorladung ins Revier drohen und den Gesprächspartner verärgern oder schmeichelnd sein Gegenüber schnell ins Erzählen bringen. Dieses Feature gefällt mir sehr gut, leider ist es nicht immer ganz konsequent eingesetzt und vor allem im einfachen Schwierigkeitsgrad meist durch blindes Raten ersetzbar. Falls man dann doch etwas zu direkt gefragt hatte, wird man als Gesprächspartner so lange abgelehnt, bis man etwas Zeit an anderen Orten verbracht hat und dann zum zweiten Versuch antreten darf. Außerdem kann man jeden Gesprächspartner durch die Kollegen beschatten lassen, was mehr oder weniger interessante Details ans Tageslicht befördert.
Die Ergebnisse von Obduktion, Beschattungen und Objektuntersuchungen kann man nach geringer Wartezeit bei den Kollegen im Büro des Major Case Squad und im Leichenschauhaus abholen. So erhält man viele nützliche Berichte, mit denen man dann, kombiniert mit den eigenen Ermittlungen, den Computer füttern kann, der so ein immer umfangreicheres Täterprofil erstellt. Hierbei wird etwa aus der Position der Wunden auf die Motive und geistigen Fähigkeiten des Täters geschlossen. Hat das Täterprofil genug Informationen und ist somit aussagekräftig genug, kann man verdächtige Personen prüfen lassen und so etwaige Übereinstimmungen herausfinden.
Manchmal ist es nötig, eingesammelte Gegenstände und weitere Beweise zu verwenden, um etwa Türen mit dem passenden Schlüssel zu öffnen. Auch bei Befragungen verlangt der Gesprächspartner gelegentlich nach etwas Ermunterung bei der Beantwortung der Fragen. So kann man etwa den Hotelmanager mit Berichten über finanzielle Probleme recht schnell zum Ausplaudern von weiterführenden Informationen „überreden“.
Neben dem Schwerpunkt auf der klassischen Ermittlungsarbeit gibt es auch einige Logik-Rätsel wie etwa das Herausfinden eines Computerpassworts und Schiebe- oder Schalterrätsel wie etwa das Zusammensetzen eines Schiebebildes. Ich bin kein großer Freund von diesen, den Spielfluss unterbrechenden Bilderrätseln, da sie sich aber in Grenzen halten, kann ich darüber hinwegsehen.
Beschattung
Die Grafik kann nicht mit anderen, halbwegs aktuellen Adventures mithalten und war schon zum Original-Release im November 2005 nicht ganz auf dem neuesten Stand. Die eigentlich sehr hübsch und auch recht detailgetreu gestalteten Hintergründe werden manchmal von matschigen Texturen „verschandelt“. Dennoch wirken besonders die Außenszenen sehr lebendig und werden durch kleine Hintergrund-Animationen aufgelockert. Auch an der Zahl und Vielfalt der Locations wurde nicht gegeizt, so sind über 70 Orte dabei - vom Umspannwerk über ein Flussufer bis hin zu Privatwohnungen und Hotelzimmern..
Alle Bildschirmtexte wurden übersetzt, man wird sich schwer tun, eine englische Bildschirmanzeige zu entdecken. Jedes lesbare Dokument, jede Beschriftung ist eingedeutscht, was sehr löblich ist. Bei vielen anderen lokalisierten Adventures wird hier leider oft gespart. Ein paar recht amüsante Übersetzungsfehler gibt es auch, die aber kaum ins Gewicht fallen.
Die Grafik-Bugs halten sich erfreulicherweise auch in Grenzen, außer dass mir manchmal ein Beschreibungstext im Bild hängen blieb und dass Optionen nicht korrekt angezeigt wurden, was durch ein bisschen Scrollen wieder behoben werden konnte.
Verhör
Die Musikuntermalung ist recht einfach gehalten und beschränkt sich auf vielfältige atmosphärische Klänge. Manchmal etwas zu laut, unterstützt sie doch die Szenerie stets passend. Die Soundeffekte sind ebenfalls relativ rar gesät, was aber nicht negativ auffällt. Besonders erwähnenswert: die Laufgeräusche passen sich automatisch an den Untergrund an.
Die Sprechrollen sind meistens ganz gut besetzt. Besonders sticht Detective Goren hervor, der mit der Synchronstimme aus der Fernsehserie auftritt. Manche Synchronsprecher hätten aber durchaus einen Schuss mehr Motivation gebrauchen können.
Leider lassen sich Hintergrundmusik, Soundeffekte und Sprachausgabe nicht getrennt regeln. Auch gibt es an keiner Stelle Untertitel, was weder barrierefrei noch anwenderfreundlich ist.
Anklage
Das neueste Adventure von bhv/Xiderpunktet durch relativ realistische Ermittlungsarbeit, spannende Fälle und gute Ideen wie das Dialog-System. An manchen Stellen fehlt noch die letzte Konsequenz bei der Umsetzung - wie bei dem Befragungssystem (bei mir artete das oft in willkürliches Raten aus) oder der fehlenden Anzeige, ob ein Gegenstand schon zur Untersuchung geschickt wurde.
Leider durchziehen das Spiel einige kleine Mängel, die man nicht einfach übersehen kann. Neben den schon erwähnten Bugs fällt auch negativ auf, dass vor der Installation erst das Ausfüllen eines Registrierungsformulars verlangt wird, was aber keine Bedingung für die Installation ist.
Freispruch
Passend zur Überschrift folgt nun der Freispruch: Ich kann Criminal Intent jedem Fan von Krimi-Adventures empfehlen, ich hatte wirklich Spaß bei der polizeilichen Arbeit. Das Spiel schafft es, eine spannende Atmosphäre aufzubauen und gehört zu den wohl besten Serienumsetzungen, die zurzeit auf dem Markt sind.
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