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Mydrania - Ein Textadventure Drucken
Geschrieben von tenochtitlan   
Monday, 15. January 2007

Adventures, unendliche Weiten... Neben den unzähligen bunten Adventures die uns immer wieder mehr oder weniger erfreuen, gibt es ein Genre, indem heutzutage eher die Hobby-Programmierer aktiv sind. Es geht um die Text-Adventures. Neben einem Blick in die Vergangenheit wollen wir auch einen Blick auf ein kommendes Text-Adventure werfen, auf Mydrania von MasterHero.

Textadventures gehören zu den Urvätern der Computerspiele. 1972 entwickelte William Crowther für seine Kinder das Textadventure Adventure, das dem ganzen Genre seinen Namen gab. Einige DOS-Versionen dieses Spiels findet ihr hier. Schon zehn Jahre später wurden die Text-Adventures von den ersten Grafik-Adventures verdrängt und so haben sie heute im kommerziellen Bereich keinen Platz mehr. Doch dieses Genre ist nicht tot: hunderte Amateur-Entwickler programmieren alte Klassiker nach oder verwirklichen gleich völlig neue Ideen. Nahezu alle dieser Vertreter sind kostenlos.

Eines dieser Text-Adventures der „zweiten Generation“ ist Mydrania, entwickelt von dem Schüler Till Gilsbach alias MasterHero. Wir haben die aktuelle Beta-Version angespielt und mit ihm ein ausführliches Interview über seine Motivation, ein Text-Adventure zu programmieren, über die Geschichte, das Spielgefühl und das Release-Datum von Mydrania geführt. Das Interview findet ihr auf der nächsten Seite, jetzt erstmal meine Eindrücke.

Wir starten ein neues Spiel und werden erstmal aufgefordert, Namen und Geschlecht zu verraten. Dann beginnt das Intro, in dem kurz die Vorgeschichte erzählt wird. Mydrania ist eine Fantasy-Welt, zeitlich im Mittelalter angesiedelt. Fast das gesamte Land ist von Wald bedeckt, nur ein paar Städte sind auf der Karte zu finden. Der Spieler (oder die Spielerin) lebt mit seinem Vater in ärmlichen Verhältnissen in einer Hütte im Wald. Eines Tages fordert der kranke Vater sein Kind auf, etwas aus seinem Leben zu machen und schickt es in die Welt hinaus.

Die Welt besteht (bis jetzt) aus einem Ork-Lager, der Burg des Königs Mugun, der Stadt Alderean und jede Menge Wald. Mit Hilfe einer jeder Zeit verfügbaren Karte lässt sich gut die Übersicht wahren. Ebenfalls verfügbar sind ein Inventar und ein Charakter-Menü, zu dem ich später noch etwas sagen werde.

Gesteuert wird mit der Tastatur durch Eingabe von bestimmten Buchstaben. Für die Navigation werden die Tasten immer angegeben, auch bei allen Entscheidungen (und das sind einige) wird per Tastatur Navigation ausgewählt. Ein Beispiel: Um nach Norden zu gehen, tippt man [N] und drückt [Enter]. Der Spieler geht nun dorthin und wieder gibt es per Bildschirmanzeige neue Auswahlmöglichkeiten. In den Städten beginnt die Interaktion dann richtig. Mit sogenannten „Aktionsverben“ kann man mit seiner Umwelt kommunizieren, Gegenstände einsammeln und verwenden. So spricht man mit „rede mit person“ z.B. irgendjemand an oder nimmt mit „nimm gegenstand“ irgendetwas auf. Die Aktionsverben stehen übrigens nicht irgendwo, man muss sie durch simplen Nachdenken herausfinden. Doch das ist kein Problem, sie entsprachen eigentlich immer der meinen Ideen, und durch mehrfache Auswahlmöglichkeiten wird fast jede (logische) Handlung abgedeckt.

Manchmal könnte man, aus heutiger Sicht gesehen, Mydrania als „Text-Rollenspiel“ bezeichnen, was aber für das Genre nie ein Problem war. Wer aber reine Rätselei erwartet, ist mit Mydrania sicher beim falschen Spiel.
Der Charakter besitzt drei Eigenschaften: Angriff, Verteidigung und Glück. Wenn man bei einem Streifzug durch die Wälder auf einen Gegner trifft, der abhängig von der Spielerstärke erstellt wird,Kampfbildschirm
kann man wieder per Konsole aus drei Angriffsarten wählen und das Programm berechnet anhand der Charakter-Eigenschaften der Erfolg oder Misserfolg des Angriffs. Außerdem kann man vor einem Kampf jederzeit wegrennen und sich mit gefundenen oder gekauften Tränken heilen.
Man sollte sich immer überlegen, was man tut, denn wenn man z.B. das Orklager angreift, hat man gegen die 20 anstürmenden Orks keine Chance und muss neu laden. Gespeichert wird übrigens nur bei Schlafgelegenheiten. Vor allem anfangs ist das hart, denn entweder sind die Betten teuer oder man verliert beim Schlafen Lebenspunkte.

Die Handlungsfreiheit ist sehr groß. Man kann einfach wahllos in der Gegend herum laufen und sich mit zufällig generierten Gegner und Ereignissen herumschlagen, dem kranken Vater helfen oder Ritter des Königs werden. Ansonsten steht ein möglicher Krieg zwischen den Menschen und den Orks im Mittelpunkt. Zur weiteren Handlung möchte ich nichts verraten, zumal sie noch nicht final ist und noch erweitert werden soll.

Der Rätsel-Teil besteht aus der Wahl der richtigen Entscheidung, die immer wieder gefragt ist und große Bedeutung für den Spielverlauf hat und auf kleinere Rätsel, die immer wieder von Zauberern und ähnlichen NPCs gestellt werden. Hier muss aber meiner Meinung nach noch mehr getan werden, um das Spiel nicht zum reinen zufallsgenerierten Kämpfen verkommen zu lassen. Dafür hat das Spiel zu viel Potenzial, um es durch solche Mankos zu verschenken. Auch einige Sounds sollen noch eingebaut werden, sie dienen aber wie die vereinzelten Grafiken eher der Verdeutlichung einiger Situationen und nicht als Sprachausgabe oder Ahnliches.

Mydrania glänzt vor allem durch die Handlungsfreiheit. Ich kann tun und lassen, was ich will, selbst das einfache Im-Wald-Herum-Rennen macht Spaß, weil durch die zufälligen Ereignisse immer etwas passiert.Alderean Auch die Steuerung mit den Aktionsverben ist schnell gelernt und nicht kompliziert. Die wenigen Bilder, die manchmal zu sehen sind, sind sehr hübsch gezeichnet. Die ganze Welt ist sehr stimmig. Mein erster Kritikpunkt sind die Dialoge, in denen man frei schreiben muss, da hier oft die Frage auftaucht „Hab ich was Falsches getippt oder kann der andere mir einfach nichts darüber erzählen. Hier wäre eine Rückmeldung, die über „Verstehe ich nicht.“ hinaus geht, oder eine mehr Hinweise zu den möglichen Themen ganz nett. MasterHero hat aber versprochen, dass das noch verbessert wird. Außerdem finde ich das Speichersystem für den Anfang sehr hart, man hat eigentlich kaum eine andere Chance, als Heiltränke zu kaufen und zu hoffen, nicht zu sterben. Sonst aber kann man eigentlich nur hoffen, dass der Umfang des Spiels noch steigt und es bald fertig wird.

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