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Runaway 2 - The Dream Of The Turtle Drucken
Geschrieben von tenochtitlan & Narrow Bob   
Saturday, 16. December 2006

Das hier ist das erste unserer zwei Reviews zu Runaway 2. Narrow Bob hat sich ebenfalls dem Spiel angenommen und seine Einschätzung hier niedergeschrieben. Ihr findet die zweite Review auch, indem ihr am Ende dieses Reviews auf "Nächste Seite" klickt. Und nun folgt meine Review...

Endlich ist das wohl meist ersehnte Adventure des Jahres da, pünktlich vor Weihnachten. Runaway 2 – The Dream Of The Turtle stammt von den spanischen Entwicklern von den Pendulo Studios, ist seit dem 24. November auf dem Markt und wird von dtp/ANACONDA und Crimson Cow vertrieben. Presse und die Spieler sind in so gut wie allen Belangen begeistert und sprechen gar vom „Adventure des Jahres“. Ob das Spiel diesen Lobeshymnen entspricht, wollen wir in unserer großen Review genau unter die Lupe nehmen.

Ein paar Worte zum extrem erfolgreichen Vorgänger Runaway – A Road Adventure vorneweg: Der Physikstudent Brian Basco macht sich von New York aus auf den Weg zur berühmten kalifornischen Universität Berkeley. Doch schon in New York passiert etwas, was sein Leben für immer verändern soll: eine bildhübsche Frau, Gina Timmins, läuft ihm vor sein Auto und wird ohnmächtig. Schon im Krankenhaus merkt Brian, dass mit Gina etwas nicht stimmt: Zwei Killer der Mafia tauchen auf und Brian gelingt es gerade noch so, Gina das Leben zu retten. Als Gina nach ihrer Rettung wieder aufwacht, zeigt sie ihm ein seltsames Kreuz, dass ihr angeblich ihr Vater kurz vor ihrem Zusammentreffen übergab und danach getötet wurde. Zusammen mit Gina macht sich Brian nun auf die Suche nach dem Geheimnis dieses Kreuzes und trudelt dabei von einem Abenteuer ins nächste, immer knapp am Tod vorbei. Doch er lernt auch neue Freunde wie die Millionenerbin und Hackerin Sushi, die ihm mehrfach hilft, kennen. Es kommt zu einem Happy End (die genauen Umstände findet ihr lieber selbst heraus, es lohnt sich) und Gina und Brian fliegen nach Hawaii, um sich einen wohlverdienten Urlaub zu gönnen. An dieser Stelle führt Runaway 2 – The Dream Of The Turtle die Geschichte fort. Im Optionsmenü gibt es die Story zu Runaway – A Road Adventure übrigens in Kurzfassung als eine Art Diashow.

Nach der für 5,5 GB angemessenen Installation (es gibt auch eine anfangs platzsparendere Installationsvariante, dann werden die Kapitel bei Bedarf nachinstalliert) starten wir direkt ins Spiel. Und schon das Intro macht Lust auf mehr: Gina will unbedingtFlugzeug nach dem Crash auf die berühmte Mala-Insel. Weil niemand auf die ominöse „verbotene“ Insel will, sucht sie sich einen älteren Piloten mit einem mehr als klapprigen Flugzeug aus. Obwohl Brian sehr skeptisch ist, steigt er Gina zu Liebe ein und das Abenteuer beginnt. Mitten im Anflug auf Mala-Island stirbt der Pilot und Brian muss Gina mit dem einzigen Fallschirm an Bord abwerfen. Im Landeanflug wird sie von einem Unbekannten betäubt und landet in einem See. Brian bekommt davon nichts mit, er vollbringt mit dem Flugzeug eine Bruchlandung im Dschungel. Nun macht er sich auf den Weg aus dem Dschungel heraus und auf die Suche nach Gina. Mehr werde ich nicht von der Story verraten, doch es sei versichert, dass sie Runaway-typisch spannend und überraschend wird. Ein richtiges Ende gibt es übrigens nicht, doch das Versprechen der Entwickler, dass Runaway 3 nicht so lange auf sich warten lässt wie Teil 2.

Die Rätsel waren schon bei Runaway – A Road Adventure ein großer Streitpunkt. Doch nicht wegen dem Schwierigkeitsgrad, der meiner Meinung nach optimal getroffen ist, für Anfänger aber ein hartes Stück Arbeit werden kann, denn einige Rätsel vor allemStier gegen Ende sind schon mehr als happig. Trotz alledem bleibt jedes Rätsel halbwegs fair. Minispielchen gibt es nicht wirklich, nur ein paar Dialog-Rätsel. Doch nun zu meinem Kritikpunkt (der übrigens von fast allen Spieleredakteuren und Fans so empfunden wird): Immer wieder verzweifelt man an relativ einfachen Rätseln, weil benötigte Objekte zu gut in der Umgebung versteckt sind, und man manchmal (wenn auch nicht zu oft) regelrechte Suchorgien mit der Maus starten muss. Doch fairerweise muss man sagen, dass sich im Vergleich zu Runaway – A Road Adventure viel verbessert hat und es eigentlich erträglich ist. Doch für Runaway 3 wünsche ich mir, dass dieser Punkt nochmals verbessert wird.

Ebenfalls kritisiert am ersten Teil wurde die Angewohnheit, Gegenstände erst verfügbar zu machen, wenn sie wirklich benötigt werden. Das mag realistisch klingen, ist aber ohne Vorwarnung ziemlich mies, weil man (fast) alles zweimal abklappern musste, um benötigte Gegenstände zu finden. Das hat sich in Runaway 2 zwar nicht verändert, doch wird man jetzt wenigstens auf noch nicht benötigte Gegenstände hingewiesen (unter anderem mit den Worten „Hmm... Im Moment sehe ich nichts weiter, das mir nützlich sein könnte. Und nein, mir ist es egal, ob ich es später noch brauchen könnte. Ich bin doch keine Beutelratte. Oder gar Spieleredakteur.“).

Die Story führt von der traumhaften Insel (die dummerweise von anwesenden Militärs zum Kriegsgebiet erklärt wurde) um die ganze Welt. Angefangen von den vielfältigen Locations auf Mala-Island bis in nordisch eisige Gebiete, das Auge kommt mitMala Island Sicherheit nicht zu kurz. Dafür sorgt eine aufgebohrte Engine aus Runaway: Die Hintergründe sind wunderschön gezeichnet und die Charaktere werden sehr hübsch in 3D dargestellt. Außerdem gibt es Anti-Aliasing, Nebel und kleinere Spielereien wie z.B. Schneespuren in Alaska. Alles in allem eine für Adventures überdurchschnittliche Grafik mit jeder Menge Charme und optischen Genüssen. Nur Brian bewegt sich manchmal etwas ruckig. Trotz alledem gibt es keine störenden Ladezeiten (falls man nur die kleine Installation gewählt hatte, braucht es allerdings ziemlich lange, bis es bei einem Kapitelwechsel weitergeht).

Die Hintergrundmusik ist im Vergleich zu Runaway nicht ganz mein Geschmack, doch unpassend kann man sie keinesfalls bezeichnen und vielen Fans gefällt sie überdurchschnittlich gut, es ist also Geschmackssache. Auch die Anzahl der Musikstücke hat sich im Vergleich zu Runaway deutlich vergrößert, Wiederholungen fallen nicht störend auf. Die deutsche Synchronisation ist sehr gut und die (teilweise aus Runaway bekannten) Sprecher sind durchweg sehr professionell und passend. Jeder Dialog ist lippensynchron vertont. Der einschaltbare Untertitel ist bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls synchron mit der Sprachausgabe, ohne ihn kommt aber deutlich mehr Atmosphäre auf.

Der Humor von Runaway 2 ist einfach nur überragend. Das gesamte Spiel ist voll von Andeutungen auf berühmte Personen,Der General Filme und Spiele (unter anderem werden Guybrush Threepwood und Indiana Jones sehr genial auf die Schippe genommen). Die herrlich skurrilen Charaktere, darunter auch viele Bekannte aus Runaway wie Sushi und der Alienforscher Joshua, haben mich wie immer begeistert. Allein wegen ihnen lohnt sich das Spiel und Runaway 2 hat so viele gelungene Charaktere, dass für jeden einer dabei sein sollte.

Zur Steuerung muss man eigentlich nicht viel sagen, sie erfolgt genretypisch mit der Maus (Zitat aus dem Handbuch: „Eine Tastatur ist etwas für Klavierspieler, oder höchstens zum Eingeben von Dateinamen zum Abspeichern.“). Mit Klick auf die rechte Maustaste wählt man die gewünschte Aktion aus und mit der linken führt Brian sie aus (zumindest meistens). Die zwar etwas langen, aber lohnenswerte Dialoge werden ebenfalls mit der Maus geführt. Abgekürzt werden können sie mit Klicken, doch das ist absolut nicht zu empfehlen, da man sonst sehr wichtige Informationen verpasst, die man nicht nochmal abrufen kann. Das machen andere Genre-Vertreter schon seit Urzeiten besser, irgendein Schutz wäre doch ganz nett gewesen.

Kommen wir zum Fazit: Runaway 2 – The Dream Of The Turtle übertrifft jegliche meiner Erwartungen. Berauschende Grafik im Zeichentrick-Stil, klasse Rätsel und eine tolle Story haben mich überzeugt: Runaway 2 ist das Adventure des Jahres. Kleinere Mängel wie gelegentliche überlange Laufwege und der blöden Angewohnheit, keine Spielstände überschreiben zu können und den neuesten an den Schluss zu stellen, rücken da schnell in den Hintergrund. Dieses Spiel gehört einfach unter den Weihnachtsbaum und wird nahezu jeden Adventure-Fan und auch die Neulinge im Genre begeistern. Bleibt zu hoffen, dass es bis zum Release von Runaway 3 nicht so lange dauert wie bei Runaway 2. Die Entwickler scheinen genug Ideen für noch 3 weitere Spiele zu haben, man darf gespannt sein.



 
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