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Tony Tough 2 - Der Klugscheißer kehrt zurück ist das neueste Adventure des Publishers ANACONDA/dtp. Nachdem sich Tony Tough 1999 (2003 dann auch in Deutschland) im ersten Teil aufgemacht hatte, seinen rosafarbenen Tapir zu suchen, geht es nun zurück in die Jugend des Privatdetektivs mit dem deftigen Humor und den überdimensionierten Brillengläsern.
Während die Installation beginnt und in angemessener Zeit die 2 GB Spieldaten kopiert, sollte man unbedingt mal einen Blick ins Handbuch werfen: Viel zu erläutern gibt es in einem Point&Click-Adventure ja nicht, aber schon das Handbuch wartet mit einigen Gags auf: So beschwert sich zum Beispiel der Textschreiber für das Handbuch, dass er unter den Mitwirkenden nicht genannt wird ("Nur dieser gut aussehende Typ, der die Texte für das Handbuch schreibt – der fehlt. Typisch!") .In der jedenfalls am Anfang doch sehr verwirrenden Story geht es um das Verschwinden des Hausmädchens der Toughs. Die hat von ihrer gerade ermordeten Tante eine mysteriöse Kiste geerbt, aus der einige Stücke auch noch verschwinden. Alles in allem also genug zu tun für den Nachwuchs-Detektiv. Außerdem geschehen immer wieder seltsame Dinge (so verschwindet Tony plötzlich und taucht am anderen Ende des Dorfes wieder auf), für die laut Tony außerirdische Mächte verantwortlich sind. Die ganze Story spielt im kleinen Ex-22-Seelen-Dörfchen Washington im New Mexico der 50er Jahre.
Der Humor ist bei weitem nicht so schlimm, wie man es aufgrund der Berichte in diversen Spielezeitschriften erwarten könnte. Dennoch gibt es gelegentlich sehr deftige sprachliche Ausrutscher, wie z.B. "Warum rammst du dir nicht mal ne Zapfsäule in den Arsch?". Das hätte nicht sein müssen und passt auch nicht zum sonstigen Sprachniveau der Dialoge. Unter anderem deshalb wurde z.B. die Wertung der amerikanischen Kontrollorganisation für Spiele PEGI wegen "Kraftausdrücken" von mind. 6 Jahren auf mind. 12 Jahre erhöht und auch die USK setzte die Wertung auf mind. 12 Jahre fest. Ab diesem Alter ist der Humor aber verständlich und meistens auch passend. Gespart wird auch nicht an Selbstironie: So erklärt Tony z.B. in einer Art Tutorial am Anfang des Spiels während einer Schulstunde "dem da vor dem Bildschirm", wo man die vom Spieler aufgesammelten Gegenstände findet. Prompt wird er daraufhin von seinem Banknachbarn Seymour aufgefordert, die Selbstgespräche sein zu lassen. Solche Anspielungen kommen immer wieder vor und bringen neben all den anderen Gags den Spieler je nach Verständnis für etwas jugendlicheren Humor doch zumindest immer wieder zum Schmunzeln.
Die Charaktere sind teilweise sehr überzeichnet, passen aber perfekt in das skurrile Dörfchen Washington. Angefangen vom stotternden Lehrer bis zu Tonys Vater, hat jede Figur ihren eigenen Witz und Charme. Der Laden von Seymours Mutter Alexis, dient nebenbei als Hauptmenü (sehr coole Idee), Alle Charaktere werden von professionellen Synchronsprechern vertont: So spricht z.B. die Stimme des "Kleinen Arschlochs" aus dem gleichnamigen Film den Titelhelden. Ebenfalls dabei sind deutsche Schauspieler und bekannte Synchronsprecher wie Sky du Mont, Herbert Feuerstein und Ruth Moschner sowie andere bekannte Snychron-Stimmen einiger Hollywood-Stars.
Die Rätsel sind alle logisch und in meinen bisherigen Streifzügen durch Washington sind mir keine Verschieberätsel oder Ähnliches begegnet. Leider kann man den Anstieg der Schwierigkeitsstufe aber nur als abrupten Sprung bezeichnen. Nachdem man sich anfangs nur in sehr kleinen Locations bewegt, wird man bald in das große und durch die manchmal etwas unglücklichen Kameraeinstellungen furchtbar unübersichtliche Washington entlassen, ohne jede Ahnung, was man tun soll. Hier wäre zumindest irgendeine Art von Hinweis ganz angepasst gewesen. Denn für einen Anfänger bedeutet das einen sehr heftigen Bruch im Rätseln, da man sich das Rätsel erst mal suchen muss. Auch eine Art "HotSpot"-Funktion wie in Geheimakte Tunguska vermisst ein Neuling im Genre schmerzlich. Und die plötzlichen Ortswechsel an völlig fremde Orte machen die Orientierung auch nicht leichter.
Die Steuerung erfolgt genretypisch mit den Maustasten. Man steuert Tony mit Hilfe der linken Maustaste durch die Umgebung und löst Rätsel, indem man die Aktion mit der rechten Maustaste auswählt und mit der linken ausführt. Besonders wichtig und nicht gerade alltäglich im Genre ist, dass auch die Spielerfigur einen deutlichen Einfluss auf die Rätselei hat und selbst als eine Art Gegenstand agiert. So kann Tony z.B. Gegenstände auf sich selbst benutzen. Das demonstriert er gleich am Anfang sehr deutlich, indem er eine Kröte verschluckt, um seinem Nachsitzen zu entkommen, woraufhin er im Krankenhaus landet.
Die Grafik ist - wie mittlerweile bei fast allen neueren Adventures - sehr hübsch und wartet mit 3D-Figuren, dynamischen Schatten und bis zu vierfachem Anti-Aliasing auf. Im Gegensatz zu den meisten anderen Genrevertretern ist in Tony Tough 2 jede Aktion glaubhaft und korrekt animiert. Merkliche Ladezeiten gibt es so gut wie nicht, und wenn doch werden diese durch Bildschirmanzeigen und Videos unbemerkbar gemacht. Auch die gezeichneten Hintergründe sind sehr detailliert und vielfältig. Das kleine Dörfchen Washington wirkt nicht nur aufgrund seiner Einwohner reichlich skurril: Auch die bunten Figuren in der eher trostlosen und wüstenähnlichen Gegend verstärken diesen Eindruck noch. Tony bewegt sich innerhalb von 30 Locations (laut Publisher), die sich alle unterscheiden, aber ein stimmiges Gesamtbild ergeben.
Die Hintergrundmusik beschränkt sich auf angenehme Klavier- und lockere Gitarrenmusik. Die Soundeffekte sind alle realitätsnah und es wird an Geklirre, Explosionen und sonstigen Geräuschen nicht gespart. Ein Untertitel ist möglich, aber allein absolut nicht zu empfehlen. Denn manchmal erzählt Tony etwas anderes als das, was auf dem Bildschirm erschient und der Sound macht das Spiel erst zu etwas Besonderem. Leider sind manche Bildschirmanzeigen nicht übersetzt, wie z.B. die Ankündigungen für den Beginn eines neuen Kapitels.
Abschließend lässt sich sagen, dass sich der Kauf besonders für erfahrene Adventure-Spieler mit Sinn für teilweise etwas jugendlichen Humor lohnt. Aber auch Neulinge im Genre können mit etwas Einarbeitungszeit und Geduld viel Spaß mit Tony Tough 2 - Der Klugscheißer kehrt zurück haben. Es wäre ganz schön gewesen, irgendeine Hilfefunktion (und wenn es nur eine Art Notizzettel wie in Ankh wäre) einzubauen, denn so ist dieses Spiel für Gelegenheitsspieler und blutige Neulinge nicht zu empfehlen. Sonst stört nur die etwas verwirrende und nicht allzu motivierende Story. Aber Adventure-Veteranen und sehr Geduldigen kann man das Spiel getrost empfehlen und viel Spaß mit den fordernden Rätseln wünschen. Allen anderen würde ich eher zu anderen aktuellen Adventures wie Undercover: Operation Wintersonne raten.
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