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Im Winter 1943 gelangt der brititsche Geheimdienst MI6 in Besitz von Unterlagen, die die Existenz eines deutschen Atombombenprojekts in einem fortgeschrittenen Stadium beweisen. Würde diese Bombe fertiggestellt werden, würde sie für die gesamte Weltbevölkerung eine große Gefahr darstellen. Der MI6 startet die Operation Wintersonne, um die Bedrohung abzuwehren. Er braucht dafür jedoch einen Spezialisten, der diese Dokumente auf ihre Echtheit prüfen kann und dieses Geheimprojekt in Deutschland aufspüren kann. Dieser Mann ist der englische Professor für Physik John Russel, der nun unfreiwillig aufgrund seines Wissen über physikalische Grundlagen der Atombomben-Technik zum Spion in Deutschland werden muss, um die gesamte Menschheit vor dieser Bedrohung zu retten.
Da Russel alles andere als ein ausgebildeter Spion ist und somit keinerlei Erfahrung auf diesem Gebiet besitzt, wird ihm der kühle und erfahrene Spezialagent Graham zur Seite gestellt. Der ist anfangs skeptisch gegenüber dem Professor, bewundert ihn aber immer mehr für seine geistreichen Ideen und Problemlösungen. Später stößt die hübsche und schlagfertige britische Agentin Ann Taylor zu dem Team hinzu, zum Missfallen Grahams und zur Freude des Professors, der durch ihr forsches Auftreten zuerst sehr durcheinander gebracht wird. Wie die Geschichte um dieses Trio und die geheimnisvolle Waffe der Deutschen weitergeht, werden wir an dieser Stelle nicht verraten, es sei nur versprochen, dass sie bis zum Schluss spannend bleibt.
Die Entwickler haben sich bemüht Realismus und Fiktion geschickt zu vermischen, ohne eine klare Grenze aufzuzeigen. Das ist ihnen hervorragend gelungen und so baut sich von Anfang an eine dichte und hoch spannende Atmosphäre auf, die einen bis zum Schluss nicht mehr los lässt. Dazu trägt auch der, trotz des düsteren Szenarios glaubhafte Humor der Figuren bei. Besonders die Gespräche mit der Agentin Ann Taylor und dem im späteren Spielverlauf auftauchenden Betrunkenen bringen einen immer wieder zum Schmunzeln. Dabei wirkt der Humor niemals aufgetragen oder gezwungen.
Und wer Indiana Jones als Film und/oder Spiel kennt, dem werden die Bildschirmanzeigen beim Wechseln der Ortschaften ziemlich bekannt vorkommen.
Die Steuerung ist typisch für ein Point&Click-Adventure: Mit der linken Maustaste läuft man und untersucht seine Umgebung, mit der rechten nimmt man Gegenstände oder verwendet sie. Das Inventar verbirgt sich am unteren Bildschirmrand und wird beim Überfahren sichtbar, gespeichert und geladen wird am oberen Bildschirmrand. Prof. Russel beschreibt jeden Gegenstand während des Aufnehmens ins Inventar genau, wenn auch manchmal nicht unbedingt besonders geistreich („Fleckenwasser. Ich nehme an, es macht keine Flecken sondern entfernt sie.“). Das Inventar unterliegt genretypisch keinen nachvollziehbaren Größenbeschränkungen, so nimmt Prof. Russel am Anfang des Spiels einen Ast, der größer ist als er, in sein Inventar auf, in dem er ihn einfach in seiner anscheinend extrem geräumigen Jacke verschwinden lässt.
Dieses Feature war zwar noch nie ernst zu nehmen, hat sich aber seit den Zeiten von Monkey Island zu einem Klischee entwickelt und gehört einfach dazu, trübt also den bemühten Realismus des Spieles nicht.
Die Rätsel sind durchweg fair. Das ist gut für Neulinge im Genre und macht auch den erfahreneren Spielern Spaß, doch für Adventure-Veteranen stellt kaum ein Rätsel ein nennenswertes Problem dar. Die meisten Rätsel belaufen sich auf pure Logik-Rätsel nach dem Schema „Ich muss durch diese verschlossene Tür und habe keinen Schlüssel, also muss ich nach einer Alternativ-Methode suchen. Was habe ich denn im Inventar...“. Die HotSpot-Taste ist etwas nutzlos umgesetzt. Statt wie in Geheimakte Tunguska alle Gegenstände im aktuellen Bildschirmausschnitt zu zeigen, werden nur die Punkte zum Wechseln der Ortschaft angezeigt. Die Taste ist aber eigentlich auch nicht nötig, denn kein Gegenstand ist zu klein oder zu schwierig zu sehen, um ihn nicht mit etwas Gesuche zu finden. Ich habe eine funktionierende HotSpot-Funktion nicht vermisst.
Meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht das Spiel, wenn es im Mittelteil zu mehreren Minispielchen kommt. Beliefen sich die Minispielchen während dem Rest des Spieles auf simples Zusammensetzen von Briefteilen oder das Eingeben von Zahlenkombinationen, geht es nun darum, Ann Taylor durch das An- und Ausschalten von Lichtern an Soldaten vorbeizuschleusen. Selbst wenn man hier bei einem Fehler ohne Konsequenzen (wie im ganzen Spiel) neu startet, hat es für mich doch wenig mit dem klassischen Rätseln in Adventures zu tun. Doch das mag meine persönliche Meinung sein und diese Art von Minispielchen kommt auch nicht allzu häufig vor, ist also zu verkraften.
Bei jedem neuen Adventure taucht die Frage auf, wie gut die Grafik des Spieles sein muss. Kein Adventure-Spieler verlangt High-End Grafik, doch das Spiel soll sehenswert sein und wenigstens halbwegs dem Stand der Technik entsprechen. Undercover kommt in einem nicht überragenden, aber für ein Adventure sehr guten, ansehnlichen Grafikgewand daher, das Spiel läuft aber auf jedem halbwegs aktuellen System flüssig. Die Hintergründe sind in Grautönen gehalten, aber liebevoll gezeichnet und die Figuren sehen alle lebensnah aus. Nur Russels Auftraggeber vom MI6, Colonel Travers, ähnelt aufgrund seiner etwas seltsamen Gesichtsanimationen mehr dem Standbild einer Bulldogge, als einem Mensch. Die Animationen bei der Interaktion mit Gegenständen und Umgebung schwanken zwischen nicht existent (Prof. Russel zeigt uns dabei nur seinen Rücken), was leider etwas zu häufig vorkommt, und sehr ansehnlich.
Die musikalische Untermalung des ganzen ist lang nicht so spektakulär wie z.B. in Runaway - A Road Adventure, doch die düstere und geheimnisvolle Hintergrundmusik unterstützt die gesamte Atmosphäre des Spieles hervorragend. Die professionellen Sprecher wirken alle authentisch und nie übertrieben. Jede noch so kleine Rolle wurde überzeugend umgesetzt und gesprochen, alle Charaktere scheinen aufeinander abgestimmt.
Abschließend kann man sagen, dass Undercover ein sehr gutes Adventure darstellt, dass die Stärken des Point&Click-Genres in sich vereint. Die Rätselei macht Spaß, auf lange Laufwege wurde größtenteils verzichtet und Einsteiger finden sich sofort zu recht. Nur für Veteranen dürften die Rätsel zumindest in der ersten Hälfte des Spiels zu leicht sein. Ansonsten ist das Spiel bis auf einige Schönheitsfehler wie fehlende Animationen oder der seltsamen Idee, im Ladebildschirm das neueste Spiel als letztes zu zeigen, fehlerfrei und die sehr gut erzählte Story entschädigt für jeden Frust, egal ob durch zu leichte Rätsel oder durch Minispielchen. Und die Spielzeit verspricht langes Vergnügen. Meine Empfehlung lautet eindeutig: kaufen und losrätseln.
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